Die deutsche Sprache ist in vielen Bereichen sehr kompliziert, in manchen aber wiederum sehr einfach gestrickt.
So kennt man beispielsweise Hans. Hans ist ein Rollstuhlfahrer.
Man kennt auch Marie. Marie ist eine Rollstuhlfahrerin.
Man kennt auch ein Haus. Ein Haus kann kein Rollstuhlfahrer sein, weil das technisch nur schwer zu realisieren ist. Lassen wir das mal au der Betrachtung heraus.
Wenn man nun erklÀren möchte, dass irgendein Rollstuhlfahrer sich rollend fortbewegt, dann ist es aus meiner Sicht völlig Banane, ob dieser beispielhafte Rollstuhlfahrer mÀnnlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Es ist keine bestimmte Person gemeint. In diesem Fall sieht die deutsche Sprache auch in 2013 eine Wortform vor, die mit der mÀnnlichen Form deckungsgleich ist.
GleichermaĂen kann ein Mensch sowohl mĂ€nnlich als auch weiblich sein Die Aussoziation, âderâ Mensch ist mĂ€nnlich (sollte man sonst etwa von einer Menschin reden?), finde ich genauso albern wie die Annahme, âdieâ Clique könne nur aus weiblichen Teilnehmern bestehen.
Eine Gruppe Rollstuhlfahrer ist solange keine Gruppe mĂ€nnlicher Rollstuhlfahrer, wie es nicht explizit heiĂt: Eine Gruppe mĂ€nnlicher Rollstuhlfahrer.
Eine Gruppe Rollstuhlfahrer ist solange nicht auf weibliche Teilnehmer begrenzt, wie es nicht explizit heiĂt: Eine Gruppe Rollstuhlfahrerinnen.
Daher ist es aus meiner Sicht völlig ĂŒberflĂŒssig, durch sprachliche Konstruktionen wie âRollstuhlfahrerInnenâ darauf hinzuweisen, dass beid Geschlechter gemeint sind. Solange man nicht bestimmte Personen geziel ansprechen will, sondern mehrere, x-beliebig austauschbare Elemente einer Menge bezeichnen möchte.
âAn FuĂgĂ€ngerĂŒberwegen haben Fahrzeuge den Fahrenden von RollstĂŒhlen welche den Ăberweg erkennbar benutzen wollen, das Ăberqueren der Fahrbahn zu ermöglichenâ, sagt die seit rund zwei Wochen gĂŒltige Neufassung der StraĂenverkehrsordnung im Paragrafen 26. Da ist aber jemandem ein ganz groĂer Wurf gelungen.
Grund fĂŒr diese aus meiner Sicht absolut dĂ€mliche Formulierung soll eine europĂ€ische Vorschrift zur geschlechtsneutralen Verfassung von Gesetzestexten sein. Jetzt frage ich mich: Sind viele âFahrendeâ geschlechtsneutral, wenn ein âFahrenderâ es nicht ist? Ich verstehe schon, worauf das abzielt, aber: Wenn man sich schon zu einem derartige Manöver hinreiĂen lĂ€sst, sollte man dann nicht an einer anderen Stelle ansetzen und vielleicht einfach nur einmal klar stellen, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, dass ein Rollstuhlfahrer sowohl mĂ€nnlich als auch weiblich sein kann?
Konsequenterweise hĂ€tte es eigentlich heiĂen mĂŒssen: âAn Ăberwegen fĂŒr zu FuĂ Gehende haben FĂŒhrende von Fahrzeugen den Fahrenden von RollstĂŒhlen, welche den Ăberweg erkennbar benutzen wollen, das Ăberqueren der Fahrbahn zu ermöglichen.â
Was mich dann aber wundert, ist, warum man die Wortkonstruktion âRollstuhlâ, die nicht etwa eine besondere Form der Darmentleerung meint, nicht konsequenterweise aufgebrochen und formuliert hat: âAn Wegen fĂŒr zu FuĂ Gehende ĂŒber das zum Fahren Gebahnte haben in Zeugen fĂŒhrend Fahrende den in StĂŒhlen Rollenden, welche den Weg ĂŒber das zum Fahren Gebahnte erkennbar benutzen wollen, das Queren des zum Fahren Gebahnte zu wirmöglichen.â (Er-möglichen wĂ€re möglicherweise auch nicht ganz geschlechtsneutralâŠ)
Vielleicht hÀtte, bevor das verabschiedet wurde, nochmal jemand mit einem Pfahl vom Zaun des Gartens winken sollen?
