Nüchtern, sachlich, düster

Nicht mehr fröhlich und optimistisch, sondern nüchtern, sachlich und ein bißchen düster.

Ist das mein Blog? Ist das mein Tagebuch? Ist das meine Seele? Habe ich mich krass verändert?

Ja, ich glaube schon. Ich glaube, ich habe mich verändert. Nicht mehr fröhlich, das möchte ich nicht unterschreiben, aber wesentlich seltener fröhlich als noch vor ein, zwei Jahren, das könnte sein. Und Optimismus
– auch davon habe ich zur Zeit auch weniger. Das stimmt auch. Und ich finde es schon faszinierend, was man so alles aus meinen Texten herauslesen kann.

Ich beobachte seit einiger Zeit, dass die Veränderungen der letzten Monate mich sehr anstrengen. Das Wohnprojekt macht mir Spaß, ich finde es toll, keine Frage, aber es ist so viel anstrengender Nervkram damit verbunden, dass mir nahezu täglich die Fröhlichkeit vergeht. Spätestens wenn ich für andere Leute eine gewisse Verantwortung übernehme und versuche, anderen zu helfen, wird es irgendwann frustig, wenn man trotz ganz viel reingesteckter Energie nicht zum Ziel kommt. Wenn man immer wieder für etwas kämpft aber keinen Schritt weiterkommt. Wenn man glaubt, sich ein letztes Mal anstrengen zu müssen, um über die letzte Hürde zu springen, man seine ganze Energie und Kraft und Ehrgeiz mobilisiert und dann dem Kampfrichter einfällt, dass er vergessen hat, die Uhr einzuschalten. Es also heißt: Bitte noch einmal von vorne. Da kann einem schonmal die Fröhlichkeit vergehen und da kann man auch mal vom Optimist zum Realist werden.

Ich würde mich als einen Menschen beschreiben, für den Fairness, Offenheit und Ehrlichkeit unheimlich wichtig sind. Wenn ich mir jetzt nur dieses Theater mit Maria ansehe – ist das fair? Weder in ihrer Einrichtung wurde sie fair behandelt noch jetzt von dem Sozialdienst, der ihr nach wie vor die Zustimmung für diese Wohnform verweigert, ohne dafür je einen sachlichen Grund genannt zu haben. Darf ich darüber reden, darf ich öffentlich darüber schreiben? Sicherlich, das kann mir niemand verbieten, solange ich nicht die Unwahrheit sage, nur fühlen sich dann die nächsten Leute persönlich angepisst und das Verfahren zieht sich noch weiter in die Länge. Ja, man liest meinen Blog und ja, ich muss aufpassen, was ich sage. Das ist nicht meine Welt. Ich komme in
dieser Pass-auf-was-du-sagst-Welt nicht zurecht.

Wenn ich was verbockt habe, dann stelle ich mich in den Ring, bekenne mich dazu und notfalls lasse ich mich verprügeln. Leider muss ich immer mehr erleben, dass diejenigen, die sich nicht an Regeln halten, besser klarkommen. Nicht bestraft werden, keine Nachteile bekommen. Wer einen guten Anwalt hat oder sich gut rausreden kann, hat nichts zu befürchten.
Klar, ich gehe auch nicht zum Schwimmeister und erzähle dem, dass ich gerade in seine Dusche gepinkelt habe. Aber: Würde er mich nächste Woche abfangen und sagen, er hat das in meinem Blog gelesen, hier ist ein Schrubber, jetzt putzt du mal den Fußboden – dann würde ich eben nicht fälschlich behaupten, dass mein Blog ja nur zu Unterhaltungszwecken diene und das alles nicht stimme. Mir käme auch keine Unfallflucht in den Sinn. Wenn ich einem anderen das Auto zerlege, dann hau ich nicht ab. Dann komme ich für den Schaden auf, den ich angerichtet habe. Und wenn ich keinen Bock hatte, zu einem Termin zu kommen, dann rede ich nicht von defekten Aufzügen, verstorbenen Omas oder ansteckenden Krankheiten. Auch wenn das der eindeutig anstrengendere und manchmal schmerzhaftere Weg ist. Wenn er manchmal Demut und Tränen verlangt. Aber es reißt einem niemand den Kopf ab. Ich möchte aber nicht den Glauben daran verlieren, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. Das ist mit Blick auf große Teile der heutigen Gesellschaft aber ein großer Konflikt. Und dieser Konflikt verdüstert meine Stimmung in der Tat manchmal.

Marias Verfahren beschäftigt mich zur Zeit, mehr als ich das eigentlich möchte. Ich betone dabei das Verfahren, nicht Maria selbst. Wir alle haben uns für sie entschieden, wir ziehen das jetzt auch durch. Aber es beschäftigt mich eben. Daher gibt es im Moment auch weniger andere Sachen zu lesen – zumal auch nicht viel passiert. Training ist kaum, Freizeiten, Trainingslager auch nicht, man kann zur Zeit wenig nach draußen wegen der Affenkälte, Vorlesungen haben noch nicht begonnen. Es passiert zur Zeit ziemlich wenig anderes.

Mit „auf mich aufpassen“ habe ich nicht gemeint, dass ich nicht mehr über mich schreibe. Oder nicht mehr offen über mich schreibe. Sondern ich passe noch mehr darauf auf, dass man nicht so einfach ermitteln kann, wo ich mich gerade aufhalte. Normalerweise hätte ich damit kein Problem, nur muss man ja damit rechnen, dass auch Psychos diesen Blog lesen. Und mit denen habe ich ein Problem. Ich werde also trotz besseren Aufpassens künftig auch wieder mehr über mich schreiben. Heute habe ich zum Beispiel Regelschmerzen, was eigentlich nicht so oft vorkommt.

Einen Feed habe ich eigentlich nicht bewusst abgestellt, ich wüsste auch nicht, wo ich den wieder einschalten sollte. Ich mache mich mal schlau. Und was das Hintergrundbild angeht … ist es nicht schön, wenn man es ganz sieht? Man kann es übrigens jetzt auch ganz rechts unten in der Spalte finden und anklicken…

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