Ente Und Smash Prank

Es gibt Tage, an denen schäme ich mich für meine Behinderung. Genauer gesagt für die damit verbundene Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu der sich Mitglieder zählen, die mich immer wieder verstehen lassen, warum es eine weit verbreitete Meinung gibt, alle behinderten Menschen seien mies drauf, undankbar und verbittert. Was ich heute im Supermarkt erlebt habe, hat selbst mir die Sprache verschlagen.

Ich parkte in einem Parkhaus, ergatterte dort sogar noch einen freie Behindertenparkplatz, und rollte zu den Aufzügen. Neun an der Zahl. Vo mir wartete ein Mann um die 50, Rollstuhlfahrer, wurde von seiner Frau begleitet. Er saß in einem ziemlich monströsen Elektrorollstuhl. Ein Aufzug hielt, allerdings war der rappelvoll, da wir im 2. OG standen un die Kabine vorher schon im 4. und 3. OG gehalten hatte. Bei neun Kabinen lässt man den also schnellstmöglich weiterfahren und wartet auf den nächsten. Denke ich.

So denkt nicht jeder. Der Rollstuhlfahrer fängt an rumzupöbeln. Er sagt wörtlich: „Ey, ihr faulen Säcke, müsst ihr Fahrstuhl fahren oder könnt ihr auch zu Fuß laufen? Ich kann es mir nicht aussuchen und ihr blockiert meinen Weg.“ – Mit der Wirkung, dass etliche Leute fast panisch die Flucht ergriffen. Teilweise nur bis in den Vorraum, um auf einen anderen Aufzug zu warten. Mir fiel vor Fassungslosigkeit alles au dem Gesicht.

Es waren jedenfalls genügend Leute ausgestiegen, dass er in die Kabine hinein fahren und wenden konnte. Nun sah er mich und brüllte: „Hey, hier ist noch Platz für dich, komm her!“ – Ohne nachzudenken rief ich zurück: „Ich kenne dich nicht und ich will dich auch nicht kennen.“ Er hielt den Aufzug mit der Tür-Öffnen-Taste fest und wiederholte sein Aufforderung. Ich sagte: „Vielen Dank! Ich möchte nicht.“

Als er weg war, guckten mich etliche der umstehenden Leute an. Man, war mir das peinlich. Aber es soll noch besser kommen. Im Laden, der eigentlich groß genug ist, um sich nicht über den Weg zu rollen, traf ich den Typen wieder. Und zwar in einer Ecke, in der diese Plastik-Frischhaltedosen und Töpfe und ähnliches in den Regalen stehen. Seine Frau schirmte ihn auffällig ab und während ich mich zügig bewegte um nicht noch einmal irgendein Wort mit ihm wechseln zu müssen, stöhnt er demonstrativ rum, als wenn er gerade Gewichte stemmt.

Er stemmte allerdings etwas anderes, denn als ich um die Ecke bog, konnte ich im Augenwinkel sehen, dass er auf die vordere Kante seines Stuhls vorgerutscht war und eine Ente zwischen den Beinen klemmen hatte.

Genau. Später hatte ich den Typen dann neben mir an der Kasse, zum Glüc in einer anderen Warteschlange. Hinten am Rollstuhl war seine Ente befestigt, halbvoll, Gefäß beschlagen … also mal ganz ehrlich: Kann ich von einem behinderten Menschen nicht ein Mindestmaß an Anstand erwarten? Dazu gehört auch, dass man seinen Dödel nicht im Supermarkt in die Han nimmt und in mitgebrachte Gefäße harnt. Und diese anschließend noch fü alle sichtbar mit sich herumträgt. Und nein, so dringend muss keiner und sonst gibt es andere Hilfsmittel.

Apropos Supermarkt: Wozu ich sehr große Lust hätte, wäre zusammen mi einer weiteren Rollifahrerin oder einem weiteren Rollifahrer einen Smash Prank zu machen. Keine Idee? Ich bis gestern auch noch nicht. Abe es gibt Leute, die haben zwei Kanister Getränke bei sich, meistens einmal Saft und einmal Milch, und rutschen aus. Tun zumindest so. Schlagen also lang hin und die beiden Kanister werden so in die Luft geworfen, dass sie dabei auf jeden Fall mitten in der Szene kaputt gehe und ihren Inhalt freisetzen. Und dann versuchen die Akteure wieder aufzustehen, rutschen dabei aber theatralisch auf dem nassen schmierige Untergrund aus.

Ich hätte größte Lust, einmal so derbe rumzuferkeln. Mich in einem Moment, in dem keiner guckt, aus dem Stuhl fallen zu lassen und in meiner unmittelbaren Nähe platzen zwei Kanister und die Sauerei ist perfekt. Ich wäre auf die Blicke derer gespannt, die ihren Augen nicht trauen und auf die Blicke derer, die im falschen Moment hinsehen und daher merken, dass das alles gestellt ist.

Aber vor allem die ausgelaufene Milch wieder wegmachen zu müssen, darauf hätte ich keine Lust. Ich spiele weder mit Lebensmitteln noch mi der Gesundheit anderer, denn da kann sich ja auch mal jemand so erschrecken oder vielleicht selbst in der Nässe ausrutschen, dass das ernsthafte Konsequenzen hat. Und so bleibt es wohl dabei, dass wir im nächsten Sommer uns am Strand mit Kleckermatsch bewerfen. Während ander etwas getan haben, was lange schon kein Streich mehr ist:

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