Massage

Der Wechsel meiner Praktikumsstelle bringt ungeahnte Vorteile: Ich kann endlich wieder meine heiß begehrte Schwimmtrainingszeit nutzen, die
in den letzten Wochen immer mit anderen (Uni-) Terminen kollidiert ist.
Und hatte ich erwähnt, dass ich einen meiner Trainings-Badeanzüge bei 60 Grad mitgewaschen habe? Ja, das kommt dabei heraus, wenn man ihn in ein Handtuch einwickelt und dieses Handtuch noch eben schnell mit in die
Maschine wirft. Alle Befürchtungen, er würde jetzt allenfalls noch Nachbartochters Modepuppe passen, waren unnötig: Er ist noch genauso groß wie vorher. Wer hätte das gedacht?

Das mit dem Mitwaschen kann ja mal passieren, kritisch finde ich es allerdings, wenn ich statt Unterwäsche (für später) einen zweiten Badeanzug einpacke und die Handtücher ganz vergesse. Irgendwie bin ich gerade ein wenig durch den Wind. Neulich lag mein Autoschlüssel im Kühlschrank, dafür lag eine Tomate neben der Garderobe im Flur. Und die Geschichte von der Multivitamintablette ist nur deshalb erwähnenswert, weil ich sie statt in Wasser in Fruchtsaft aufgelöst und mich beim Trinken gewundert habe, warum das so eklig schmeckt. Dass ich eine höhere Dosierung meiner Blasen-Medikamente nicht vertrage, war mir schon
lange bekannt. Auch ein neuer Versuch mit einem moderneren Präparat darf als fehlgeschlagen bezeichnet werden, nachdem ich nur noch verplant
durch die Gegend gerollt bin. Nein, die bisherige Dosierung und das altbewährte Medikament bleiben nach wie vor der beste Kompromiss. Das neue Präparat ist abgesetzt. Jetzt kann ich auch wieder in ganzen Sätzen
schreiben, was bei Bloggerinnen eindeutige Vorteile mit sich bringt.

Zurück zum Schwimmen: Jörn war nicht zu sehen, Marie und ich waren gleichermaßen enttäuscht, hatten wir ihm doch vorher noch geschrieben, dass wir uns freuen, ihn endlich wieder zu treffen. Wir zogen unser Trainingsprogramm durch, und als ich fertig war und gerade aus dem Wasser klettern wollte, greift mir doch jemand von hinten unter meinen Schultern hindurch, presst sich an meinen Rücken und verschränkt seine Arme vor meiner Brust. Ich habe mich gehörig erschrocken und wusste für einen Moment lang nicht, ob das Jörn sein könnte oder irgendein Spinner,
vielleicht sogar einer, der mir beim Verlassen des Beckens helfen wollte. Ich gehöre eher nicht zu denjenigen Mädchen, die kreischen, aber
in dem Augenblick musste ich es mir wirklich arg verkneifen. Nun biss mir auch noch jemand mittig knapp oberhalb der Schulterblätter in den Nacken. Zwar eher grob als zärtlich, dennoch eher zärtlich als brutal. Wäre ich irgendwie darauf vorbereitet, hätte ich es genießen können, so wollte ich zunächst wissen, wer da dieses Spiel mit mir spielte.

Ich holte tief Luft, tauchte unter, stieß mich unten mit den Armen kräftig vom Beckenrand weg und rutschte so aus der Umklammerung. Ich tauchte hinter Jörn wieder auf, der sich inzwischen umgedreht hatte und mich angrinste. „Kannst du mich mal vorwarnen? Ich hätte dir fast eine reingehauen! Für einen Moment lang dachte ich, das wäre irgendein Spinner, der mir aus dem Wasser helfen will!“

„Ich dachte, du freust dich“, erwiderte Jörn. Ich sagte: „Ich freue mich, aber ich habe mich sehr erschrocken. Wo warst du denn die ganze Zeit? Ich habe ständig nach dir gesucht!“ – „Ich bin eben erst reingekommen. Ich hatte vorher noch was zu erledigen und habe es nicht eher geschafft.“ – „Ich wollte eigentlich gerade aus dem Wasser.“ – „Eigentlich? Also schwimmst du noch eine Runde mit mir?“ – „Eine Runde ja, aber viel mehr nicht. Ich habe heute schon vier Kilometer abgerissen.“ – „Zwei Runden, ja? Und anschließend komme ich mit zu dir nach Hause und massiere deine ganzen Verspannungen weg, die du von den zwei Runden bekommen hast. Okay?“

Im Anschluss an das Schwimmtraining haben wir also zusammen gekocht, ich habe mir nach dem Essen von Jörn den Rücken massieren lassen … leider nur im Sitzen, dafür aber wenigstens oben ohne und mit Lotion. Fast 20 Minuten lang. Ich finde, er macht es gut. Er meinte, ich würde gut aussehen. Da oben. Auch. Ich fühle mich geschmeichelt. Sehr.

Anschließend musste er relativ bald wieder nach Hause. Marie, die, während Jörn und ich unsere Massagestunde hatten, sich in ihr Zimmer verkrümelt und für die Uni gelernt hatte, meinte, er solle sein Handy doch mal zu Hause vergessen. Dann könne seine Mutter nicht ständig hinter ihm her telefonieren. So langsam nervt es selbst mich, dass sie permanent wissen will, was gerade passiert. Hat sie kein eigenes Leben?

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