Aufzug

Tolle neue Woche

Die Woche fängt gut an, sagte der Mann, der am Montag gehängt werden sollte. Es ist völlig egal, ob ich zur Zeit zur Schule, zur Arbeit oder sonstwo hin muss – ich hasse sie, die Leute, die mir an einem Montagmorgen ungefragt erklären mĂĽssen, dass ja eine neue Woche begonnen hätte. Als Rollstuhlfahrerin hat man ja unfreiwillig eine Art Beamtenstatus. In einem mehr oder weniger schmerzhaften Akt wird man zu dem, was man später ist, bekommt vom Staat darĂĽber eine amtliche Ernennungsurkunde und einen Dienstausweis (ab nächstem Jahr aus Plastik und in Scheckkartenform), auf dessen RĂĽckseite der Dienstgrad eingetragen wird… Weiterlesen »Tolle neue Woche

Ganz viel Schokolade

Man kommentiert, ich sei ein Magnet fĂĽr schräge Leute. Ob das stimmt? Ich erlebe viele Dinge. Ob mehr oder weniger als andere Menschen – vielleicht stimmt beides. Ich glaube, ich nehme bestimmte Dinge einfach intensiver wahr. Eine andere Rollstuhlfahrerin äuĂźerte kĂĽrzlich, dass es ihr genauso ginge wie mir und sie vermutet, dass das daran liegt, dass ich Menschen sehr viel genauer beobachte, insbesondere, wenn ich mit ihnen in Kontakt kommen muss. Weil ich sie um Hilfe bitten möchte, weil sie mich ansprechen, weil sie mich beobachten, weil sie von mir eine Antwort wollen, weil sie mich vollsĂĽlzen… Ich muss mal… Weiterlesen »Ganz viel Schokolade

Nicht kopfgesteuert

Inzwischen haben wir alle uns in unserem neuen Zuhause recht gut eingelebt, die AufzĂĽge funktionieren nun zuverlässig, gemeinsames Essen, Fernsehen läuft problemlos, RĂĽcksichtnahme bei der Benutzung der Waschmaschine, beim Musikhören etc. ist auch okay – insgesamt stellt sich ein gewisser Alltagstrott ein. Ein Mitbewohner ist mit 15 von zu Hause ausgezogen, er sagt, es gebe Probleme mit den Eltern. Eine Sozialarbeiterin kĂĽmmert sich um ihn, kommt ihn regelmäßig besuchen. Ich selbst schätze ihn als sehr intelligent ein, allerdings fehlt es ihm, und das sage ich ohne gemein sein zu wollen, deutlich an emotionaler Reife. Er hat eine Gehbehinderung, verglichen mit… Weiterlesen »Nicht kopfgesteuert

Endlich wieder Internet

Endlich habe ich zu Hause wieder Internet. Heute um 16.00 Uhr konnte ich erstmals meinen PC wieder in Betrieb nehmen und bekam spontan rund 300 Mails… Das meiste ist MĂĽll, aber bei einigen Mails wird der eine oder andere sich schon ĂĽberlegt haben, ob ich mit ihm/ihr nicht mehr schreiben möchte oder ob ich zu viel um die Ohren habe, um zu antworten. Oder ob es mir schlecht geht. – Nein, schlecht geht es mir nicht. Mir geht es gut. Ich vermisse den Sommer (der sich vor dem Norden offenbar versteckt hat), hoffe auf ein paar schöne Tage im September,… Weiterlesen »Endlich wieder Internet

Viel Chaos und ein Amelo

Dass ich im Moment so wenig schreibe, liegt nicht etwa daran, dass ich nicht mehr schreiben mag. Im Gegenteil. Ich mag sehr gerne schreiben, ich möchte auch sehr gerne schreiben, aber ich kann nicht. Es ist ein technisches Problem – und einfach nur zum Heulen. Aber der Reihe nach. Aus der alten Wohnung sind wir inzwischen komplett raus. Es hat sich ein Nachmieter gefunden, der die Wohnung so ĂĽbernehmen wollte, wie sie war und fĂĽr etliches noch Abstand zahlen wollte. Ohne dass wir danach gefragt haben. Da um den Monatsersten der Aufzug wieder funktionierte, sind wir dann mit der gesamten… Weiterlesen »Viel Chaos und ein Amelo

Barrierefrei heiĂźt nicht barrierefrei

Barrierefreier Wohnraum ist (nicht nur) in Hamburg Mangelware. Ich habe schon oft darĂĽber geschrieben, ĂĽber die fehlende Notwendigkeit fĂĽr private Hausbauer, ein Haus barrierefrei zu bauen, ĂĽber die vielen Bestimmungen, die es zu beachten gilt, wenn jemand barrierefrei bauen möchte, ĂĽber die Mehrkosten, die das wiederum unattraktiv machen – kurzum: Barrierefrei baut in aller Regel nur, wer sozialen Wohnraum baut und auf öffentliche Mittel zurĂĽckgreifen kann. In Hamburg bestimmt damit auch eine Behörde, wer in diese Wohnungen einziehen darf. Barrierefreier Wohnraum wird zentral vergeben und um ĂĽberhaupt in dieses Vergabeverfahren aufgenommen werden zu können, sind diverse Kriterien zu erfĂĽllen. Ein… Weiterlesen »Barrierefrei heiĂźt nicht barrierefrei

Finger klemmen

Meine Finger klemmen nicht: Zeit fĂĽr eine Gute-Nacht-Geschichte. Jene von der kleinen Gretel, die wegen ihrer Behinderung immer gehänselt wurde. Gretel fehlte ein Finger. Sie hatte ihn verloren, als sie 3 Jahre alt war. Damals stand sie in einer gläsernen Aufzugskabine, sah die Welt, in die die Elektronik sie in wenigen Sekunden entlassen wĂĽrde, und patschte mit ihren drolligen kleinen Händen gegen die GlastĂĽr der Kabine. Mama stand hinter ihr, war bekifft und machte am Telefon gerade die Scheidung klar, und so achtete sie nicht darauf, dass die kleine Gretel sich in wenigen Sekunden die Finger klemmen wĂĽrde. Nämlich dann,… Weiterlesen »Finger klemmen

Versteckspiel

Die Angst, ĂĽberfallen und beraubt, sexuell belästigt und vergewaltigt oder einfach nur ĂĽberrascht und blöd angemacht zu werden, ist besonders in GroĂźstädten, nachts, bei Frauen mit langen blonden Haaren und kurzem Rock etc. gegenwärtig. Dunkle Parks sollte man meiden, ĂĽberhaupt alle Orte, an denen sich jemand verborgen halten und fĂĽr unangenehme Ăśberraschungen sorgen kann. Um dem Ganzen entgegen zu wirken, wird beraten und empfohlen, werden zum Beispiel in Parkhäusern besondere Frauenparkplätze, die hell beleuchtet und mit einem Notruf versehen, vielleicht sogar videoĂĽberwacht sind, eingerichtet. Angeblich sollen Frauenparkplätze etwas breiter sein, damit sich in den engen Räumen zwischen den parkenden Autos… Weiterlesen »Versteckspiel

GroĂźbrand und Fallgrube

Dass der Freitag anstrengend werden wĂĽrde, war mir schon am Donnerstagabend klar. Dass er aber so chaotisch werden wĂĽrde, war absolut nicht zu erwarten. Es war mal wieder ein Tag, von deren Sorte man so schnell keinen zweiten braucht – bis auf sein Happy End. Unter anderem Simone, Cathleen und ich waren am Freitagabend zum Geburtstag von Sarah eingeladen. Sie wollte reinfeiern. Schlafplätze gab es keine mehr, wenigstens ein Bier wollte ich mal trinken, insofern kam auch das Autofahren nicht mehr in Frage. Die S-Bahn fuhr nur noch bis kurz vor 1 Uhr nachts auf dem Streckenabschnitt (sonst fahren ja… Weiterlesen »GroĂźbrand und Fallgrube

Automatische Drängelfunktion

In Hamburg Bergedorf wird zur Zeit mit groĂźem Aufwand der Bahnhof (einschlieĂźlich Busbahnhof) neu gebaut. Die Kosten haben den geplanten Rahmen bereits um mehr als 150% ĂĽberschritten, wie bei allen öffentlichen GroĂźprojekten. In diesem Zusammenhang hat der Bahnhof Bergedorf auch neue AufzĂĽge bekommen. Jene, die ich auch benutzen muss, wenn ich mit Ă–ffis zur Therapie ins Krankenhaus fahre. Es ist kein Geheimnis und es stand auch mehrfach bereits in den Medien, dass die neuen AufzĂĽge permanent defekt sind. Ein Software-Fehler jagt den nächsten, in der letzten Woche funktionierte der Aufzug zum Gleis 3 und 4 wieder nur sporadisch. Ich wĂĽrde… Weiterlesen »Automatische Drängelfunktion