Sportverein

Ein paar Lichtblicke

Gestern abend kam Cathleen noch zu mir ins Zimmer, hat mich noch eine halbe Stunde in den Arm genommen und gekrault. Sehr lieb von ihr. Sie meint, wir schaffen das schon alles, es seien ja verschiedene Ziele in Sicht und so lange mĂĽsse man halt durchhalten. Es brenne ja nichts an. Wenn sie meint… glaube ich ihr das mal. Zum Thema Rollstuhlreparatur gibt es auch eine tolle Neuigkeit: Gegen 17.30 Uhr bekam ich plötzlich eine SMS, ich möge bitte einen Basketballspieler mal auf dem Handy anrufen, er hätte meine Nummer nicht, einen FuĂźgänger, der hätte eine Lösung fĂĽr meine lockeren… Weiterlesen »Ein paar Lichtblicke

Plötzlich so anders

Warum liest sich mein groĂźartiger Blog plötzlich so anders? Warum schildere ich die Herausforderungen des Alltags nicht mehr so positiv wie frĂĽher? Warum reagiere ich, warum reagieren meine Freunde teilweise so krass und asozial auf Hilfsangebote? Warum gehe ich so respektlos und herabwĂĽrdigend mit meiner Umwelt, insbesondere mit Tieren um? Warum bin ich in den letzten drei Jahren so selbstherrlich geworden? WorĂĽber kann ich ĂĽberhaupt noch offen und frei schreiben, wenn so viele Leute aus meinem täglichen Umgang hier mitlesen? Schreibe ich jetzt, nur wegen einigen wenigen Fetischisten, nicht mehr offen ĂĽber meine Behinderung mit allen ihren Facetten? Das sind… Weiterlesen »Plötzlich so anders

Einmal Spiegel, einmal Flucht

Endlich sind die neuen Trainingsklamotten fertig! Wir bestellen ĂĽber einen Sponsor aus Sachsen, der individuell schneidert – und der schickt dann groĂźe Pakete an den Vereinssitz. Ich durfte gestern dort vorbei fahren und die beiden groĂźen Kartons abholen. Ein netter Herr mit Sackkarre hat mir die Kartons ins Auto geladen, ich musste nicht mal aus dem Auto aussteigen, sondern nur anrufen, dass ich vor der TĂĽr stehe. Supi. Als ich mein Auto wieder von Gelände zirkel (die Einfahrt ist sehr eng, das ist immer Millimeterarbeit), höre ich plötzlich ein metallisches Klacken, schaue instinktiv nach rechts und sehe den FlĂĽgel des… Weiterlesen »Einmal Spiegel, einmal Flucht

Mal eben 644 Euro

Ich bin ja schon sehr gespannt auf mein Studium, dessen erste Vorlesung nun offiziell am 2. April beginnt. Lange habe ich darauf warten mĂĽssen, aber inzwischen weiĂź ich, dass alle Unterlagen komplett sind, die Pflegepraktika anerkannt wurden und meine Bewerbung Erfolg hatte. Die meisten meiner kĂĽnftigen Kommilitonen bekommen ihre Zusage erst Ende Januar – manchmal hat eine Behinderung doch auch einen Vorteil. Allerdings: Studieren in Hamburg ist teuer. Ganze 644 Euro möchte die Uni pro Semester, also pro Halbjahr, von mir haben. Setzt sich wie folgt zusammen: 375,00 € StudiengebĂĽhren 146,90 € Semesterticket 60,00 € Beitrag Studierendenwerk 50,00 € Verwaltungskostenbeitrag… Weiterlesen »Mal eben 644 Euro

Hosengrabscherei

Seit einer Woche bin ich endlich fertig mit meinem dreimonatigen Pflegepraktikum, das ich fĂĽr mein Studium brauche. Der eine Monat in der Pflegeeinrichtung wird angerechnet, so dass ich nur zwei Monate im Krankenhaus arbeiten musste. Ich bin reif fĂĽr die Insel, aber ich habe es geschafft. Es war spannend, ich habe sehr viel dazugelernt, sehr viele Leute kennen gelernt und vor allem: Dinge erlebt, die ich niemals erleben wollte. Und von denen ich mich frage, ob sie mich auf meinem Lebensweg ein StĂĽck nach vorne gebracht oder lediglich nicht aus der Bahn geworfen haben. Seit einer Woche habe ich also… Weiterlesen »Hosengrabscherei

Arsch fĂĽr alles

Die obszöne Wortwahl der Ăśberschrift wäre nicht meine, fĂĽhlte ich nicht zum Ausdruck bringen zu mĂĽssen, wie mich eine aktuelle Sache so derbst ankotzt, dass jede sittliche Formulierung unangepasst wäre. Es geht um den Chef der Sportabteilung eines Vereins, der sich seit Jahren sprichwörtlich den Allerwertesten aufreiĂźt, um Hamburgs Rollisportlern einen organisierten Rahmen und damit vor allem die nötige Kohle zu verschaffen. Er selbst verdient mit seiner Arbeit keinen Cent, macht selbst aus gesundheitlichen GrĂĽnden keinen Sport (mehr) und ist vor allem bei den jĂĽngeren Leuten sehr beliebt. Ich habe kaum mit ihm zu tun, aber: Auch ich mag ihn… Weiterlesen »Arsch fĂĽr alles

Falsche Freunde

Echte Freunde von falschen Freunden zu unterscheiden, sollte eigentlich nicht schwer fallen. Ein ganz wichtiger Anhaltspunkt sind mit Sicherheit die Intensität und die Tiefe der freundschaftlichen Beziehung. Mit Intensität meine ich dabei nicht, wie oft man miteinander kommuniziert, sondern eben wie intensiv. Und was ich mit Tiefe meine, ist eigentlich auch klar. Bestehende Freundschaften kann ich also nach diesen beiden Anhaltspunkten bewerten und mir dann schon ziemlich sicher sein, woran ich bin. Anders ist es freilich bei jungen, neuen, frischen Freundschaften. Diese können sofort sehr intensiv und tiefgrĂĽndig sein, jedoch merke ich etwas später, dass die Wellenlänge nicht stimmt oder… Weiterlesen »Falsche Freunde

Markus aus Berlin

Vor etwa zwei Wochen lernte ich durch Zufall Markus kennen. Er ist 25 Jahre alt, kommt aus Berlin, studiert Sportwissenschaften (wird im FrĂĽhjahr fertig) und hatte sich in unserem Sportverein als Trainer beworben. Er war ein paar Mal beim Schwimmtraining dabei, aber diejenigen, die das zu entscheiden hatten, fanden, dass er nicht der richtige sei. Nun stand er plötzlich und unverhofft vor mir in der Schlange, als ich zusammen mit Cathleen in der Geschäftsstelle meines Sportvereins war, um mir einen Stempel fĂĽr eine Startlizenz fĂĽr das nächste Jahr abzuholen. Was er gerade dort wollte, weiĂź ich nicht. Die vier Damen,… Weiterlesen »Markus aus Berlin

Weihnachtsfeier mit Struktur

Heute fand die Weihnachtsfeier aller Hamburger Rolli-Triathleten statt, also waren sowohl die Profis als auch der Nachwuchs, die Trainer, Helfer und Organisatoren eingeladen. Man konnte alleine kommen oder mit einer Begleitung, es gab standardmäßig superleckeren GrĂĽnkohl, man konnte aber auch etwas anderes zu essen bekommen. Das Programm beschränkte sich auf Essen, Quatschen, Austauschen und einigen Bildern bzw. Clips von der letzten Saison an einer Leinwand. Das alles war irgendwie genau richtig und fĂĽr mein Empfinden bestens gelungen und ich war froh, trotz der unmöglichen Wetterbedingungen dorthin gefahren zu sein. Insgesamt waren ĂĽber 40 Leute dort. So eine Veranstaltung will natĂĽrlich… Weiterlesen »Weihnachtsfeier mit Struktur

Leckerer Auflauf

Ein Restaurant in Lurup gehört einer deutsch-tĂĽrkischen Familie. Vater, Mutter, ein Onkel und die Kinder arbeiten dort. Wir sind mit unserer WG nur durch Zufall dort gestrandet, wurden sehr höflich und zuvorkommend bedient. Der Inhaber erzählte uns beim zweiten Besuch beiläufig, dass auch eine seiner Töchter im Rollstuhl sitze. „Sie macht mir Sorgen. Sie liest sehr viel und ist sehr klug. Sie geht auf das Gymnasium und lernt viele Sprachen. Aber ihr fehlen Freunde. Die Freunde in der Schule haben oft andere Interessen als sie mit ihrer Behinderung.“ Als wir ihm erzählten, dass wir alle im Sportverein sind, holte er… Weiterlesen »Leckerer Auflauf