Assistenz

Plötzlich Glibber

Es gibt Dinge, die will niemand wissen. Und welche, die will wirklich niemand wissen. Und trotzdem: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Niemand sein Wissen erweitert. Als Bloggerin schreibe ich fast ĂĽber alles. Nicht ständig ĂĽber Dinge, die Niemand nicht wissen will, aber manchmal eben auch. Manchmal muss es auch sein. Nach so viel GesĂĽlze wissen nun alle, was jetzt kommt: Too much information. Dass auch Menschen Sex haben, ist allgemein bekannt. Dass Menschen, die keine Partnerin und keinen Partner haben, mitunter Sex ohne Partnerin oder Partner haben, auch. Ich rede schreibe von Onanie, oder -wenn man die Bibel… Weiterlesen »Plötzlich Glibber

Laut und unbequem (Nachtrag)

Ich mache das selten, aber heute möchte ich einen Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag hinzufĂĽgen. Denn die Bundesregierung hat genau zu meiner gestrigen Frage, warum ihre Wahl auf Verena Bentele gefallen ist, Stellung bezogen. Sie fĂĽhrt aus: „Frau Bentele verfĂĽgt als unmittelbar Betroffene […] ĂĽber eine entsprechende Lebenserfahrung. Sie hat es als Mensch mit einem Sehhandicap geschafft, Abitur zu machen und zu studieren, und sie hat zwölf paralympische Medaillen gewonnen. […] Das ist hinreichend Beleg fĂĽr ihre Qualifikation und auch fĂĽr die Ăśberzeugungskraft, die sie bei solch einer Aufgabe haben muss. […] Es ist sehr selten, als vollständig blind geborener… Weiterlesen »Laut und unbequem (Nachtrag)

Der Pfeil ist geil

Es ist vorbei. Marie und ich haben gestern unser vorbereitendes Praktikum fĂĽr das nächste Semester geschafft. Alles bestens. Die Professorin war sehr zufrieden mit uns, was will man mehr? Auf dem Weg nach Hause fuhren wir mit der S-Bahn. „Verehrte Fahrgäste, dieser Zug hält wegen eines Polizei-Einsatzes nicht am Bahnhof Sternschanze.“ – Nanu? Ach ja, die City wurde ja zum Gefahrengebiet erklärt, weil ein paar Demos angemeldet waren und einige Teilnehmer zu Gewalt aufgerufen haben sollen. Nachdem wir wohlbehalten zu Hause angekommen sind, spricht man in den Nachrichten von den schwersten Ausschreitungen seit Jahren. Immer wieder hauen sich Menschen in… Weiterlesen »Der Pfeil ist geil

Defekte Dose und ein Pupsplan

Kann man mir vorwerfen. Muss man aber nicht. Denn ich vergesse sie nicht. Die vielen Menschen, die sich normal benehmen gegenĂĽber den vielen Menschen, die nicht normal sind. Setzt man voraus, dass es den „normalen“ Menschen nicht gibt, ist eigentlich schon alles gesagt. Jeder benimmmt sich einzigartig gegenĂĽber anderen Menschen, von denen jeder einzigartig ist. Klar, dass mir dabei vor allem die auffallenden Menschen auffallen. Und dass ich ĂĽber sie schreibe. Immer wieder. So wie ĂĽber den Netzwerktechniker mit der feinen Nase. Er kommt in unsere WG, soll einen Netzwerkfehler beheben. Das halbe Haus hat kein Internet, die Physio- und… Weiterlesen »Defekte Dose und ein Pupsplan

Nicht so verwerflich

Dass es nicht leicht ist, das Auto einer Rollstuhlfahrerin anzuhalten, weiĂź ich ja inzwischen. Solange die Rollstuhlfahrerin trotzdem ihre gerechte Strafe bekommt (und die Verwarnung, bei der es bleiben sollte, wurde ja ausgesprochen, bevor man wusste, dass ich Rollstuhlfahrerin bin), ist das ja okay. Das GefĂĽhl. Menschlich. Wenn ich jetzt Geld bräuchte und, auf der Suche danach, die Hausbriefkästen in meiner Umgebung durchkämme, ist das schon einigermaĂźen dreist. Wenn mir dabei zufällig eine frische EC-Karte in die Hände fällt, ich danach auf die PIN warte, die einige Tage später bekanntlich kommt, sie ebenfalls aus dem Briefkasten friemel, mit Karte und… Weiterlesen »Nicht so verwerflich

So leicht kann einfach sein

Und noch ein Nachtrag zum Thema „Assistenz“ und „Freibetrag fĂĽr Vermögen auf dem Konto“ – einen, bei dem vermutlich selbst dem Amtsschimmel das Wiehern im Hals stecken bleibt. Maria bucht seit einiger Zeit ihre Pflege- und Assistenzleistungen nach ihrem Bedarf in unserem Wohnprojekt und finanziert sie ĂĽber ein so genanntes „trägerĂĽbergreifendes persönliches Budget“. Das ist im Grunde nichts anderes, als dass der Gesamtbedarf ermittelt wird, in einem Plan festgehalten wird, die verschiedenen Kostenträger (Krankenkasse, Pflegekasse, Sozialamt) sich untereinander klar werden, wer wieviel leistet – und dann kleckern nicht alle einzeln herum, sondern es gibt eine Gesamtzahlung von einem Träger und… Weiterlesen »So leicht kann einfach sein

Dringender Reformbedarf

Die Sozialhilfe soll ein menschenwĂĽrdiges Leben ermöglichen. Sie steht in der Regel an letzter Stelle, ist also fast immer nachrangig. Die Gewährung von Sozialhilfe setzt immer eine BedĂĽrftigkeit voraus. Wer sich selbst helfen kann, muss sich auch selbst helfen. Ein eigenes Einkommen ist muss verwendet werden, bevor Sozialhilfe gezahlt wird. Gleiches gilt fĂĽr Vermögen, fĂĽr das Einkommen des Ehemannes, unterhaltspflichtiger Kinder und Eltern. FĂĽr Leistungen zur Sicherung des Grundbedarfs, einer persönlichen Existenz, klingt das logisch. Aber insbesondere durch Steffi, die Assistenzleistungen, die sie eigentlich bräuchte und die sie auch bewilligt bekäme, nicht in Anspruch nimmt, um sich aus eigenen Mitteln… Weiterlesen »Dringender Reformbedarf

Macht es mir was aus?

Gestern war ich noch einmal mit der quotenbehinderten Steffi in der Therme und es war noch einmal sehr schön. Wir haben uns erneut gut unterhalten ĂĽber sehr viele verschiedene Themen und es war so ein vertrautes Verhältnis zwischen uns beiden, dass es mir so vorkam, als wĂĽrden wir uns schon viele Jahre kennen. Es haben mich aber einige Dinge erneut sehr nachdenklich gestimmt und mich auch ĂĽberlegen lassen, wie es mir wohl gehen wĂĽrde, wenn mich nach meinem Unfall niemand an die Hand genommen und mir gezeigt hätte, wie man im Rollstuhl, mit einer körperlichen Einschränkung, zurecht kommt. Wie man… Weiterlesen »Macht es mir was aus?

Ein Hartes StĂĽck Brot

Heute bekam Maria (nein, nicht die ermordete aus dem Kriminalfilm, sondern die echte) Besuch von einer Freundin, die sie ĂĽber das Internet kennengelernt hatte. Und zwar in einer Gruppe bei Fratzenbuch, der sich einige Leute mit ihrer Erkrankung zum Erfahrungsaustausch angeschlossen haben. Maria bat mich, sie zu diesem Treffen zu begleiten, da sie sich nicht sicher war, ob die Person wirklich diejenige ist, fĂĽr die sie sic ausgab. Man muss ja immer vorsichtig sein, und lieber zu vorsichtig al sich plötzlich mit bösen Ăśberraschungen konfrontiert sehen. Aber alleine die Tatsache, dass diese Frau Maria zu sich in die Hotellobby „bestellt“,… Weiterlesen »Ein Hartes StĂĽck Brot