Studium

Defektmenschen

Meine erste Woche in der gastroenterologischen Abteilung ist bereits rum. Soviel wie an meiner Uni hat man mir hier zwar noch nicht zugetraut, dafĂĽr wird hier in einigen Bereichen sehr viel grĂĽndlicher gearbeitet. Insbesondere was Protokolle und Aufklärungsgespräche betrifft. Gestern durfte ich den ganzen Tag im Aufwachraum verbringen und bei schlafenden Patienten Blutdruck und Puls messen, mit ihnen reden, wenn sie aufwachten. Die meisten dämmerten einige Zeit vor sich hin und fragten gefĂĽhlte zwanzig Mal dasselbe. Je nach verwendetem Narkosemittel ist das aber normal. Ein älterer Mann war allerdings dazwischen, den werde ich so schnell nicht vergessen. Geburtsjahrgang 1927, war… Weiterlesen »Defektmenschen

Nochmal Gastroenterologie

Ja, ich habe den Praktikumsplatz. Ich darf nun fĂĽr vier Wochen in einer gastroenterologischen Abteilung eines groĂźen Krankenhauses den nächsten Block meiner Famulatur ableisten und bekomme dafĂĽr neben Arbeitskleidung auch noch 400 € Aufwandsentschädigung. Das hört sich doch gleich sehr viel besser an. Wenngleich ich lieber etwas anderes gemacht hätte, aber ich will nicht meckern. Ich bin mehr als zufrieden. Der Tag begann mit: „Hast du schonmal eine KanĂĽle gelegt?“ – „Ja.“ – „Kannst du das?“ – „Ja.“ – „Zeigen!“ – Die erste Patientin wurde gefragt, ob ich sie legen dĂĽrfte. „Das ist eine Famulantin, aber sie sagt, sie kann… Weiterlesen »Nochmal Gastroenterologie

Zwei Stunden parken

Ich bin aktuell noch immer auf der Suche nach einer neuen Stelle in einer Klinik, auf der ich vier Wochen meiner Famulatur ableisten kann. Das ist kurzfristig gar nicht so einfach, aber möglicherweise zeichnet sich fĂĽr die nächste Woche etwas ab. Heute war ich zu einem kurzen spontanen Bewerbungsgespräch unterwegs. Das ist nicht unbedingt ĂĽblich, aber in dieser Klinik meinte man: „Kommen Sie heute zwischen 13 und 14 Uhr mal bitte vorbei und stellen sich 10 Minuten vor. Bringen Sie Ihren Lebenslauf mit!“ Wie gesagt, ob ich ab nächster Woche dort vier Wochen mitrollen darf, stellt sich noch heraus. Als… Weiterlesen »Zwei Stunden parken

Mitten im Chaos

Ich bin mal wieder mittendrin. Nicht nur in der Woche, sondern auch im Chaos. Meine Famulatur, also eine Art Praktikum im Rahmen des Studiums, läuft so gar nicht rund. Ich habe, ehrlich gesagt, ein wenig das GefĂĽhl, dass ich hier gerade viel Zeit verschwendet habe. Am Dienstag sollte ich morgens an den ZimmertĂĽren der Patienten klopfen und die Leute einzeln zum Stationszimmer begleiten, damit ihnen dort der Blutdruck und das Körpergewicht gemessen werden können. Ich kam mir reichlich doof dabei vor, Menschen zu eskortieren, die den Weg auch alleine finden wĂĽrden. Nur das war meine Aufgabe, Blutdruck oder Gewicht messen… Weiterlesen »Mitten im Chaos

Psychobunker

Der erste Tag meiner Psycho-Famulatur ist rum. „Psycho“ deshalb, weil ich gelernt habe, dass die Patientinnen und Patienten ihre Klinik „Der Psychobunker“ nennen, in dem sie, behĂĽtet vor äuĂźeren EinflĂĽssen, selbständig an ihren Ă„uĂźerlichkeiten experimentieren, und so mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein gewinnen. „Ich habe mich entschieden, einmal bis zu 85% auszurasten, um dem Franz, dem Peter und dem GĂĽnther zu zeigen, dass auch in mir GefĂĽhle sind. Die letzten 15% habe ich mir fĂĽr die letzten drei Wochen meiner Reha aufgespart. Jede Woche fĂĽnf Prozent mehr. Es war ein gutes GefĂĽhl, eine Ecke meines Panzers hat …“ – „Sich gelöst?“… Weiterlesen »Psychobunker

Kein ReisebĂĽro

Und wieder ein Semester ĂĽberstanden. Na gut, noch nicht ganz. Aber dessen Vorlesungen. Ab Oktober folgt das achte, bis dahin muss ich noch zwei sehr umfangreiche Hausarbeiten fertigstellen und einen weiteren Monat Famulatur ableisten. Dieses Mal in einer psychosomatischen Rehaklinik der Deutschen Rentenversicherung. Patienten sind dort ĂĽberwiegend Menschen mit Ess-Störungen, Burn-Outs, Neurosen, … Ich bin sehr gespannt. Warum gerade das? Weil ich denke, dass mir der Kontakt zu psychosomatischen Krankheiten mehr Sicherheit gibt, wenn es darum geht, Patienten und ihre Symptome richtig zu verstehen. Nein, keine Angst, ich gehöre nicht zu den Menschen, die glauben, dass alle körperlichen Symptome, fĂĽr… Weiterlesen »Kein ReisebĂĽro

Laubfrosch und Bettgeschichte

Da ich im Moment nicht den Stationsalltag miterlebe, kann ich mit Marie nicht mithalten, die mir jede Woche neue Kuriositäten erzählt. Meine wenigen Patienten, mit denen ich zu tun habe, schlafen die meiste Zeit. Mehrmals wurde ich gefragt, ob es bei uns ĂĽblich ist, dass Darmspiegelungen unter Vollnarkose gemacht werden. Die Antwort lautet: Nein. Ăśblich ist es keineswegs, sehr viele Patienten wĂĽnschen aber eine Sedierung, oft sogar auch eine Kurznarkose. Ich kenne keine repräsentativen Zahlen, aber vom reinen BauchgefĂĽhl her wĂĽrde ich sagen: Zwei Drittel unserer Patienten wollen dabei lieber schlafen. Männlich wie weiblich. Aber ein paar auĂźergwöhnliche Begegnungen hatte… Weiterlesen »Laubfrosch und Bettgeschichte

Vater und Sohn

Ich mag keine pathetischen Beiträge. Noch weniger, wenn es dabei um den Tod geht. Aber manchmal schreibt das Leben Geschichten, die einfach nicht sachlich erzählt werden können. Schon gar nicht, wenn sie mich seit Tagen beschäftigen. Ein noch gar nicht so alter Mann, in den mittleren Vierzigern, geschieden, zwei erwachsene Kinder, kommt mit Handy am Ohr in Anzug, Krawatte und mit polierten Schuhen in die Notaufnahme, weil ihn unerträgliche Leibschmerzen plagen. Das war vor rund zwei Wochen, ich war nicht dabei, bekam es nur erzählt. Quasi noch während des Ultraschalls versuchte er, am Handy Meetings zu verlegen. Verantwortung habe er,… Weiterlesen »Vater und Sohn

Solide Basis

Ich werde immer besser. Ich habe heute meine fĂĽnfte Darmspiegelung hinter mir. Nach wie vor sitzt mir die Professorin fast auf dem SchoĂź und nach wie vor gibt es einige Patienten, die im Vorfeld ablehnen, dass ich das Untersuchungsgerät bedienen darf und von ihrer Ă„rztin gespiegelt werden wollen. Aber es gibt eben auch viele, fĂĽr die es in Ordnung ist. Und ja, es sitzt wirklich jemand daneben und passt jede Sekunde auf. Und nein, ich bin nicht leichtsinnig, sondern eher viel zu vorsichtig. Nur um das ins Verhältnis zu setzen: Will ein fertiger Arzt sich nach seinem Medizinstudium zum Facharzt… Weiterlesen »Solide Basis

Darmspiegelung

Ich habe meine erste Darmspiegelung hinter mir! Ă„hm, ja, nicht als Patientin. Sondern ich war diejenige, welche das Endoskop fĂĽhren durfte. Nach endlosen Erklärungen und etlichen TrockenĂĽbungen an einem Trainingsmodell sowie jeder Menge ständig wiederholter Belehrungen, die ich inzwischen auch nachts um drei aufsagen kann, wenn mich dafĂĽr jemand aus dem Tiefschlaf wecken sollte (nie das Endoskop bewegen, wenn man nichts sieht etc.), sollte ich selbst dran. Die Professorin fand, ich sei ĂĽberreif fĂĽr diesen Schritt. „Es wird Leute geben, die bis zu ihrer Facharztausbildung damit warten mĂĽssen, aber es gibt eben auch Leute wie Sie. Es ist gut, wenn… Weiterlesen »Darmspiegelung